Friday 13 March 2026 14:00
languages : vostEN locations : Théâtre des Capucins
Ciné-débat «Die Ermittlung»
Über Auschwitz-Prozesse, Holocaust und die Grenzen der filmischen Darstellbarkeit
Diskussion mit RP KAHL (Regisseur des Films Die Ermittlung) und Yves STEICHEN (Filmhistoriker)
Wie lässt sich der Holocaust im Film darstellen? Seit den ersten Bildern aus den befreiten Todesfabriken stellt diese Frage Filmschaffende, Historiker*innen und letztlich das Publikum selbst vor moralische Herausforderungen. Von den dokumentarischen Aufnahmen der Alliierten über Alain Resnais' Nuit et brouillard (1956) und Claude Lanzmanns Shoah (1985) bis hin zu Steven Spielbergs Schindler's List (1993), László Nemes' Son of Saul (2015) und Jonathan Glazers The Zone of Interest (2023) – das Kino hat über Jahrzehnte hinweg immer wieder neue Wege gesucht, sich dem Holocaust anzunähern. Das Spektrum reicht von der radikalen Verweigerung jeder Rekonstruktion und jeden Reenactments bis zur immersiven Inszenierung bei Spielberg, dessen Film eine Debatte über die fiktionale Darstellung des Holocaust auslöste. Jeder Versuch einer filmischen Annäherung wirft unweigerlich die Frage auf, wo die Grenzen der Darstellung liegen, welche ästhetischen und ethischen Entscheidungen damit verbunden sind – und wie das Kino ein angemessener Ort für diese Erinnerungsarbeit sein kann.
Mit Die Ermittlung (2024) hat Regisseur RP Kahl sich Peter Weiss' dokumentarischem Theaterstück über die Frankfurter Auschwitz-Prozesse (1963 bis 1965) angenommen, die als erster großer Versuch der bundesdeutschen Justiz gelten, die Verbrechen von Auschwitz strafrechtlich aufzuarbeiten. Sie trugen maßgeblich dazu bei, den Holocaust ins öffentliche Bewusstsein der Nachkriegsgesellschaft zu rücken. Kahls Film konfrontiert das Publikum mit den Zeugenaussagen und Protokollen der Prozesse, und stellt die Frage nach der Darstellbarkeit des industriellen Massenmordes auf eindringliche Weise – nicht durch die Rekonstruktion des Grauens selbst, sondern durch die Sprache derer, die es bezeugen und derer, die es verantworten.
Der Abend lädt ein zu einer vertieften Auseinandersetzung mit der Geschichte und den Herausforderungen der filmischen Holocaust-Darstellung. Ein einleitender Vortrag ordnet das Werk in den filmhistorischen Kontext ein, bevor Regisseur RP Kahl im Rahmen eines Gesprächs mit Filmhistoriker Yves Steichen Einblicke in seine künstlerische Herangehensweise gewährt.
Friday 13 March 2026 14:00
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Friday 13 March 2026 20:30
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Saturday 04 April 2026 20:30
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